Mit einer Diskussion zur Filmkritik, Spielfilmen und Dokumentarfilmen bietet das Festival auch am letzten Tage eine große Auswahl

Am heutigen Sonntag geht das 3. Iranische Filmfestival in Köln zu Ende. Für mich ist dies der zweite Besuch des Festivals. Besonders an diesem Tag ist, dass es vor Beginn der Filmvorführungen eine Diskussion zu Filmkritik im Iran und in Deutschland gibt. Da ich mit dem Thema Filmkritik auch im Studium schon in Berührung gekommen bin, interessiert mich die Diskussion sehr. Moderiert vom Programmkurator Amin Farzanefar, diskutierten Frédéric Jäger, Vorsitzender des Verbandes der deutschen Filmkritik und Houshang Golmakani, Chefredakteur der Iranischen Filmzeitschrift „Film“. Im Anschluss hatte das Publikum die Möglichkeit Fragen zu stellen.

Während der Diskussion habe ich festgestellt, dass die Unterschiede zwischen der Filmkritik in Deutschland und im Iran nicht so groß sind, wie ich angenommen hatte. Ich bin begeistert, dass beide Gesprächspartner ihre Sichtweise gut dargestellt haben und aber auch am Blickwinkel des anderen interessiert waren. Ich hätte gerne noch mehr über das Thema erfahren, doch dann stand schon der erste Film an.

Da am Sonntag fünf Filme (zwei davon zusammen in einem Block) gezeigt wurden, ist mir die Entscheidung sehr schwer gefallen. Ich habe mich letztendlich für den Spielfilm Immortal von Hadid Mohaghegh aus dem Jahr 2015 und die beiden Dokumentarfilme Bazaar: From Tehran to Tehran von Reza Khanlari und Lalezariha von Hossein Ahmadian entschieden. Diese Auswahl liegt auch an meinen positiven Eindrücken vom Dokumentarfilm am Donnerstag. Ich habe mich trotz anderer interessant klingender Titel entschieden, nicht noch mehr zu gucken, da ich befürchte, meine Konzentration und Aufnahmefähigkeit wird den Filmen nicht gerecht. Ich hoffe, mir bietet sich die Möglichkeit, die Filme später einmal anzusehen.

Immortal eine tragische Geschichte die ohne viele Worte erzählt

Vorweggenommen muss ich sagen, dass der Film sehr ergreifend ist und mich ein wenig bedrückt zurückgelassen hat. Der Film erzählt wie der junge Ebrahim sich um seinen traumatisierten Großvater Ayaz kümmert, der bei einem Autounfall seine Verwandten verloren hat und sich selbst als Fahrer des Wagens für schuldig hält. Ebrahim lebt mit seinem Großvater fernab von anderen Menschen in einem Dorf und versucht neben seiner Arbeit Zeit für seinen Großvater zu finden. Dieser spricht seit dem Unfall nicht mehr, so dass sich die Kommunikation zwischen den beiden schwierig ist. Der Film vermittelt fast die gesamte Handlung nur durch seine Bilder. Dadurch ist er zwar schlicht, aber meiner Meinung nach besonders tiefgründig. Eindrucksvoll beweist der Film, das weniger manchmal mehr ist. Während des ganzen Filmes stehen die großartigen Panoramaaufnahmen dem Leiden von Ayaz, der einfach nur noch sterben möchte gegenüber. Besonders berührt hat mich die spürbare Verzweiflung von Ebrahim, der seinem Großvater helfen will, aber auch mit der Situation überfordert ist.

Trailer Immortal:

Am Ende des Filmes war es Kino Saal ziemlich still. Ich denke, den meisten Zuschauern ist es ähnlich wie mir ergangen und wir brauchten kurz Zeit, um uns wieder zu sammeln. In der folgenden Diskussion mit dem Regisseur wurde von den Zuschauern noch einmal die Tiefgründigkeit des Filmes hervorgehoben, sodass ich mich in meiner eigenen Rezeption bestätigt fühlte.

Im Foyer vor dem Kinosaal wurde die Atmosphäre dann wieder entspannter. Am Donnerstag hatte ich das Gefühl, bei den Zuschauern würde es sich um eine eingeschworene Gemeinde handeln, weshalb ich während der Pausen zwischen den Filmen eher ein stiller Beobachter war. Am Sonntag jedoch musste ich feststellen, dass dies nicht der Fall war: Nach dem Film habe ich mich mit verschiedenen Leuten unterhalten und festgestellt, dass viele aus Interesse am Iran extra nach Köln gereist sind. Die Gespräche mit den anderen Zuschauern über den zuvor gesehenen Film und das Festival an sich, haben meinen Tag bereichert.

Dokumentarfilme die das Leben im Iran näher bringen

Da ich noch nicht im Iran war und auch ansonsten nicht außergewöhnlich viel über das Land weiß, konnten mir die beiden Dokumentarfilme viele Informationen vermitteln. Der erste Film Bazaar: From Tehran to Tehran zeigt die Geschichte des Basars von den ersten Aufzeichnungen europäischer Reisender bis hin zur Gegenwart. Besonders beeindruckend waren für mich die Bilder, die im Innern des Basars entstanden sind, da mir eine solche Masse an Waren unbekannt war.

Der zweite Film Lalezariha erzählt die Geschichte der älteren Sänger im Iran. Der Name ist abgeleitet von der Straße Lalezar in Teheran, die zur damaligen Zeit für die Film- und Musikkultur stand. Die Dokumentation begleitet den Taxifahrer Onkel Hossein auf einer Erinnerungsreise. Mit viel Charme und Witz führt Onkel Hossein durch die Musik der damaligen Zeit. Dabei befragt er gerne Passanten nach ihrem Musikgeschmack und singt bei jeder sich bietenden Gelegenheit eines seiner Lieblingslieder. Lalezariha hat uns im Publikum mehrmals zum Lachen gebracht. Ich fand die Dokumentation interessant, vor allem, weil sie nicht nur reine Fakten vermitteln möchte. Vielmehr geht es darum, das Gefühl der Musik wieder zu geben.

Trailer Lalezariha:

Für mich war die letzte Dokumentation ein schöner Abschluss des Festivals. Ich habe in den vergangenen Tagen viel über den Iran gelernt. Deshalb möchte ich jedem zu einem Besuch des Festivals raten. Das Publikum ist bunt gemischt und bei allen Filmen gibt es englische Untertitel, das Festival ist also wirklich für jedermann geeignet. Besonders die Möglichkeit nach den Filmen noch mit dem Regisseur zu reden, bieten ein ganz anderes Filmerlebnis, als man es normalerweise im Kino geboten bekommt. Für mich steht jetzt schon fest, dass ich das Festival im nächsten Jahr wieder besuchen möchte, um neue spannende Eindrücke zu sammeln.

Autorin: Pascalina Murrone.

Dieser Beitrag entstand im Rahmen eines Seminares zum Iranischen Film Festival an der Universität zu Köln.