Special des Green Film Festivals und Spielfilme von Reza Dormishian ziehen großes Publikum an

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Matricide: Mord an „Mutter Natur“

Das dritte iranische Film Festival begann mit einem Special zum „Green Film Festival“. Dieses  besteht seit 1999 und zeigt im zwei-Jahres-Rhythmus Filme zu den Themen Biodiversität, Natur- und Umweltschutz. Präsentiert wurde einer der Gewinnerfilme des diesjährigen Festivals: die Dokumentation „Matricide“ produziert von Mohammad Shakibania unter der Regie von Hojjat Tarrahi. Der Film zeigt in eindrucksvollen Bildern, wie der Iran seine Wasservorräte immer weiter dezimiert. Besonders die großen Landschaftsaufnahmen zeigen,  wie weit die Desertifikation in einigen Teilen des Landes schon fortgeschritten ist. Während des Filmes wurde die Bedrücktheit des Publikums über den Zustand der Wasserknappheit, deutlich spürbar. Ebenso der Ärger über die Regierung, die am Zustand nichts ändert. Mir war vorher nicht klar, wie wenig Wasser die meistens Menschen im Iran zur Verfügung haben und besonders die vorher/ nachher Aufnahmen einiger ausgetrockneter Süßwasser-Seen, wie zum Beispiel der Urmiasee, haben mir das Problem deutlich vor Augen geführt.
Die Filmemacher haben aber nicht nur aufgezeigt, wie wenig Wasser der Iran noch besitzt, sondern auch versucht, nachzuvollziehen, wie das Problem überhaupt erst entstehen konnte. Mit dieser historischen Darstellung, die 1950 beginnt, führen sie verschiedene Punkte auf die zum jetzigen Zustand geführt haben. Was alle Punkte dabei gemeinsam haben, ist, dass die Bevölkerung Mitschuld an der jetzigen Lage trägt, sowie die Erkenntnis, dass sich etwas ändern muss. Die Dokumentation spielt mit ihrem Titel „Killing Mother“ darauf an, dass die „Mutter aller Dinge“, die Natur, getötet wird.

Links zum Green Film Festival:

http://iran-wissen.de/green-film-festival-in-iran/
http://greenfilmnet.org/5th-iran-international-green-film-festival-13th-20th-may-2016-in-teheran-iran/

Der Film hat mich sehr nachdenklich gestimmt, besonders die Aussage „Wir brauchen keine Feinde, wir können uns selbst gegenseitig töten“, die von einem Experten im Film geäußert wurde, ist mir im Gedächtnis geblieben. Ich hoffe, dass nicht nur der Iran, sondern auch alle anderen Länder anerkennen, wie wichtig unser Planet für uns ist und sich deshalb weiter um Natur- und Umweltschutz bemühen.
Nach der Filmvorführung war es möglich, noch einige Fragen an Farhad Tohidi, den Leiter des „Green Film Festivals“ zu richten.

Ganz schön zornig: Der Filmemacher Reza Dormishian

Als nächstes wurde der Spielfilm „I’m not angry!“ von Reza Dormishian vorgeführt. Dieser lief 2014 auf der Berlinale, durfte bisher im Iran aber noch nicht im Kino gezeigt werden.
Im Film wird die Geschichte von Navid erzählt. Navid wird infolge der Unruhen von 2009 in Teheran von der Universität ausgeschlossen. Im folgendem versucht er sich trotz aller Probleme und Konfrontationen zu beherrschen, um der richtige Ehemann für seine große Liebe Setareh zu sein. Dabei soll ihm der ständig wiederholte Leitsatz „I’m not angry!“ helfen.

>>>> Trailer:


Der Film und vor allem die Liebesgeschichte zwischen Navid und Setareh haben mich mitgerissen. Besonders die dynamische Kameraführung, die der Unruhe des Protagonisten entspricht, hat ein besonderes Bild der Großstadt wiedergegeben.
Das anschließende Gespräch mit dem Regisseur Reza Dormishian bot interessante Einblicke und Hintergründe. So erklärte der Filmemacher unter anderem, warum er die Kamera so dynamisch nutzt und wieso er gerne viele Schnitte im Film macht. Während des Gesprächs wurde für mich deutlich, dass viele der Zuschauer begeistert vom Film waren und sich wünschten, er würde auch im Iran gezeigt werden können. Häufig wurde betont, wie realitätsnah der Film die Situation im Land darstellt.
„I’m not angry“ hat mich emotional gepackt und mitgenommen und mir viele verschiedene Eindrücke vermittelt. Der Spielfilm ist für mich absolut empfehlenswert.

Mein erster Tag beim Iranischen Filmfestival hat mich mit vielen neuen Eindrücken und viel Stoff zum Nachdenken zurückgelassen. Besonders wichtig herauszustellen ist für mich aber, dass das Festival von jedem besucht werden kann. Man braucht kein explizites Vorwissen über den Iran. Die Filme bieten jedem Interessierten die Möglichkeit, seinen Horizont zu erweitern. Ich bin gespannt wie es an den anderen Tagen weitergeht.

Autorin Pascalina Murrone.

Dieser Beitrag entstand im Rahmen eines Seminares zum Iranischen Film Festival an der Universität zu Köln.